Santiago

Heute Abschluss des Camino in der Kathedrale von Santiago. Ein Menschenstrom setzte sich bereits in den fruehen Morgenstunden vom Monto Gozo, dem Berghuegel vor Santiago, in Bewegung. Menschen, die man im laufe des Weges traf begegnet man hier wieder in den engen Gassen der Altstadt. Die Pilgermesse in der Kathedrale ist ein wirklich bewegendes Ereignis. In der Segnung werden die Heimatlaender der Pilger vorgelesen und wo sie gestartet waren. Spanien, Deutschland, Korea, Slovenien, Frankreich, Brasilien, Argentinien, Italien, Suedafrika usw.  Die Augen der Pilger leuchten. Viele haben wunde Fuesse, aber es ist geschafft. Wer den Pilgerausweis aus dem Pilgerbuero abholen will muss mindestens 100 km gelaufen sind.  Fuer uns waren es exakt 491 km seit dem Startpunkt in Vincente de Baquera vor 20 Tagen – macht ungefaehr 24.5 km pro Tag. Eine kurze Strecke haben wir gemogelt. Wir sind zu Dritt mit dem Taxi zehn Kilometer zur naechtsen Pilgerherberge gefahren, weil es in Stroemen regnete und das einzige Hotel im Ort wegen "Wohlstand" geschlossen war.

Erkenntnisse

Einen wunderschoenen Abend haben wir mit den Moenchen im Kloster Sobrado verbracht. Die Gesaenge und Meditation waren einen schoenen Abschluss auf dem Camino del Norte, der durch einsame Landstriche in Galicien fuehrt. Heute (24. Mai) trafen wir dann auf dem Hauptweg, den Camino Frances, in Arzua. Es sind hunderte Pilger unterwegs. Ich traf Menschen aus Kolumbien, Kanada, USA, Japan und natuerlich viele aus der Bundesrepublik. Es ist ist wie ein Kulturschock nach der langen Wanderung durch einsame Doerfer. In Pedrouzo fluechteten wir vor einem Wolkenbruch in ein Cafe. Ein ungeheurer Laerm ertoente aus dem Fernsehen, von laut diskutierenden Menschen und Musik. Einige wichtige Erkenntnisse von dem Camino Norte. Egal wie schwierig der Weg – es gab immer freundliche Menschen, die einem den Weg zeigten. Probleme, die sich v.a. aufgrund der schwierigen Wetterlage ergaben, loesten sich in der Regel wie von selbst. Voraussetzung: Es musste aktiv nach einer Loesung gesucht werden – egal ob es sich um eine Uebernachtungsmoeglichkeit handelte oder alternativen zu der geplanten Route. Nach 470 km auf der Kuestenroute und dem Camino Del Norte fuehlt man sich angenehem erholt und "durchgewaschen".
 

Verschlungene Wege

Nach gut 14 Tagen auf dem Camino del Norte, zeigt sich dieser Jakobsweg als echte Herausforderung.In Asturien sind die Wege schlecht markiert und teilweise so zugewachsen, dass wir uns gelegentlich, wie durch einen Tschungel durch das Gelaende schlagen mussten. Das Wetter ist sehr unbestaendig. Aber jede Herausforderung hat sich immer wieder loesen koennen – nach dem Motto "los gehts". Dann stand ploetzlich ein Mensch, der einem den richtigen Weg zeigte oder es fand sich irgendwo im Gebuesch ein versteckter Monolith mit der Jakobsmuschel, der uns wieder auf den richtigen Weg brachte. Was ich hier lerne ist: Wenn es ein Problem gibt, hilft es nicht auf eine Loesung zu warten. Durch Handlung bietet der Kosmos eine Loesung an – immer. Es gilt da nur wach zu sein, fuer die Antwort, die ueberall im Umfeld zu finden ist. Nun sind es noch 170 km bis Santiago. Wir sind bereits ueber 300 km gelaufen und langsam stellt sich der Koerper auf das Gehen ein – es wird immer leichter. Ab Ribadeo faengt der Galicische Jakobsweg an. Die Pilgerherbergen sind in der Regel gut gepflegt und die Menschen auf Pilger eingestellt. Die Wege sind ausgezeichnet markiert. Wir hatten in dem asturischen Dorf Cadavedo eine echte Herbergsherausforderung. Die Anlage ist eine echte Zumutung – ueberall feucht und mit Schimmelpilz an den Decken und in der Dusche. Wir brauchten nicht lange ueberlegen und sind weitergelaufen. Nach nur einem Kilometer fanden wir ein wunderschoenes Privatquartier.

Camino

Nach gut fuenf Tagen zeigt sich der Jakobsweg in allen Facetten. Die Alternativroute Camino Del Norte an der Atlantikkueste ist nicht so ueberlaufen wie der Hauptweg, aber auch eine Herausforderung. Teilweise ist der Weg schlecht markiert und immer wieder war es erforderlich sich bei Bauern oder anderen Dorfbewohnern durchzufragen. Vor zwei Tagen trafen wir auf Pilger, die vom Hauptweg, dem Camino Frances, gefluechtet waren. Er ist total ueberlaufen. In Logrono waren alle Herbergen, Hotels und Pensionen in einem Umkreis von 15 Kilometern ueberfuellt. Auf dem Camino Del Norte. (Wir sind in Vincente Del Barco) losgelaufen hatten wir teilweise wolkenbruchartige Regenfaelle. Das Wetter am Atlantik ist sehr unbestaendig. Gleich am zweiten Tag auch eine traurige Begegnung. Wir fanden einen Hund der elendig bellte und im Feld ohne Wasser und Futter an einer Kette angebunden war. Ich weiss nicht welcher Mensch, so einen schoenen Hund, so behandeln konnte. Jedenfalls hat er sich vor Freude kaum halten koennen, als wir ihn befreiten und zu Essen und trinken gaben. Er ist froehlich seines Weges gegangen und ich hoffe, dass es ihm gut geht. Anderen Tieren geht es besser. Heute (12. Mai) kam ein Strauss hinter einem Zaun mir entgegen. Wir sehen viele Kuehe, Ziegen, Schafe, Eidechsen, Huehner und Voegel. Manchmal geht der Weg auf viel befahrenen Landstrassen und entlang Autobahnen. Hier ist der Weg jedenfalls so abwechslungsreich wie das Leben.

Jakobsweg – Alternativroute

Im letzten Jahr sind 114,000 Menschen auf dem Jakobsweg gepilgert. Die Hauptroute – der Camino Frances – ist selbst im Frühjahr schon ziemlich überlaufen.  Im letzten Jahr bin ich eine andere Route –  über Somport, Jaca, Artieda – gegangen, die ich sehr empfehlen kann. Dieses Jahr geht es auf den Camino del Norte. Weil nur knapp drei Wochen Zeit sind, ist der Ausgangspunkt Llanes. Von dort geht es immer an der Küste entlang bis Ribadeo und von dort ins Inland über Sobrado dos Monxes. In Arzua kommen wir wieder auf den Hauptweg – den Camino Frances. Bin aufgeregt und gespannt. Laut Wettervorhersage soll des Wetter in den ersten Tagen nächste Woche etwas unbeständig sein. Halte Euch auf dem laufenden.