Jakobsweg und Pilgerherbergen

Beim gehen auf dem Jakobsweg kommen im Laufe eines Tages immer wieder Phasen des Widerstands, Müdigkeit und Körperschmerzen. Für mich war es wichtig meinen eigenen Rhytmus zu finden. Es ist wie in der Tai Chi Form. Jeder Mensch hat einen ureigenen Rhytmus. Männer gehen oft schneller als Frauen und vielleicht ist dieses mit ein Grund, warum es bei Paaren zu Spannungen
auf dem Weg kommt. Es ist eine Übung der Geduld mit sich selbst und mit dem Partner/Partnerin. Wie lange kann ich mich dem Rhytmus des Gegenübers anpassen. Manchmal ist es auch wichtig ganz alleine zu gehen – um sich selbst über einen längeren Zeitrum "auszuhalten".
Ein anderes Thema sind die Pilgerherbergen. In der Tat ist es gewöhnungsbedürftig mit bis zu 60 Personene einen Schlafraum zu teilen. Ein wahres Schnarchkonzert kann die Nachtruhe empfindlich stören. Ein besonders lauter Schnarcher "verfolgte" mich über mehrere Tage. Es hat sich aber vieles geändert. In der Regel sind die Pilgerherbergen einfach ausgestattet, aber sauber. Ausserdem gibt es inzwischen auf dem Weg viele durchaus komfortable privat geführte Pensionen. Man mag sich fragen warum Menschen, die es sich durchaus leisten könnten nicht in ein teures Hotel gehen. Ich meine, die abendliche Gemeinschaft in den Herbergen hat etwas besonderes. Gemeinsam kochen, einen Wein trinken und sich über die Erlebnisse des Tages austauschen hat etwas. Nirgendwo traf ich oberflächliche Menschen. Auf dem Weg begeben sich ganz besondere Persönlichkeiten. Allein diese menschlichen Begegnungen sind etwas Besonderes an dem Jakobsweg. Die Übernachtungen in den Pilgerherbergen sind eine Übung der Demut. Es geht um Rücksichtnahme, sich Einlassen auf den Anderen, gemeinsam zu teilen und dankbar, das annehmen was ist. Vergessen wird oft, dass es viele Menschen gibt die ihren Jahresurlaub opfern, um ohne Bezahlung in eine Pilgerherberge zu arbeiten.

Jakobsweg: Was ist wirklich wichtig?

Jakobsweg: Was ist wirklich wichtig?

Der Jakobsweg ist ein Mysterium. Seine Geheimnisse offenbart er in vielen kleinen und großen Wundern.

Beim gehen auf dem Weg möchte ich hier nur einige Gedanken weitergeben, die mir beim gehen gekommen sind.

– Es gibt einen Unterschied zwischen Problemen und Schwierigkeitn. Die meisten Probleme sind keine Probleme, sondern nur Schwierigkeiten für die es eine Lösung gibt.

– Wenn der eigene heilige Raum geöffnet ist, kommen die Lösungen.

– Ein schöner Satz einer Pilgerin: "Es gibt kein Versagen – nur lernen".

Das Christentum betont mir zuviel das Leiden im Kreuzigungsgang. Wo ist die Auferstehung? Es gibt immer Licht und Schatten – immer und überall.

– Ein Pilger: "Bis Burgos ist der Weg der Kreuzigung und des Leidens, von Burgos bis Leon ist der Weg durch den Tod und das ablegen des Egos. Die letzte Etappe bis Santiago ist der Weg des Lichtes".